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Ausruhen kommt später...


                                                                                                                                                 09.10.15

 

Hallo,

heute melde ich mich zum ersten Mal aus Indien. Mittlerweile sind wir in Bokaro angekommen, wo wir nun bis kurz vor Weihnachten bleiben werden. Mit meinem ersten Eintrag möchte ich euch kurz ein paar Erlebnisse und Erfahrungen beschreiben, die ich bis jetzt machen durfte.

 

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Indien große Unterschiede. Es begann schon auf der Fahrt vom Flughafen in Delhi zu unserer ersten Station dem Holy-Cross Kinderheim.In Indien so kommt es mir vor, gibt es dass ungeschriebene Gesetz, dass man sich auf der Rücksitzbank auf keinen Fall anschnallen soll. Versucht man es trotzdem wird man noch vor dem Losfahren aufgefordert sich wieder abzuschnallen. Sonst beginnt die Fahrt erst gar nicht. Aber dennoch fühlt man sich auf der unangeschnallten Fahrt durch Indien recht sicher, da selbst auf der Autobahn nicht schneller als 40 km/h gefahren werden kann. Grund dafür sind das hohe Verkehrsaufkommen in den Städten. Deshalb haben viele Autos ihre Aussenspiegel einfach abmontiert um besser durch die überfüllten Megacities zu passen. Ein weiter wichtiger Bestandteil ist die Hupe des Autos die bei jedem Fahrzeug mehrmals die Minute eingesetzt wird.So weit wie ich es bis jetzt verstanden habe, verwendet man die Hupe bei Folgendem:

  1. Man missachtet eine Verkehrsregel (z.B. bei Rot über die Ampel fahren)

  2. Man meldet ein Überholmanöver an

  3. Man ärgert sich über Fußgänger/Fahrradfahrer und Hunde

  4. Man warnt vor Falschfahrer (auch auf der Autobahn) oder zeigt an, dass man selbst Falschfahrer ist

  5. Man benutzt die Hupe um ab zubiegen, weil Blinken kein Lärm macht

 

In Indien sieht man außerdem sehr oft extrem überladene Verkehrsmittel. Dazu zählt nicht nur die in Delhi sehr beliebte Metro, sondern auch der öffentliche Bus, der auch gerne zum Warentransport missbraucht wird. Zusätzlich sieht man nur wenige Busse, die mit geschlossen Türen durch die Innenstädte fahren, sodass während einer langsamen Geschwindigkeit oder bei einem Halt wegen Stau, einfach eingestiegen werden kann. Ein weiteres Phänomen sind die wirklich bis zum letzten Platz vollgestopften Autos. So trifft man selbst auf Autobahnen und Schnellstraßen die wenig befahren werden, auf Inder die sich entweder auf dem Autodach oder irgendwie außerhalb hinten am Kofferraum befinden. Gleiches gilt für Motorräder und LKWs, die wegen Überladung kaum Anstiege bewältigen können.

 

 

 

In den letzten Tagen konnte ich auch, feststellen was es bedeutet Ausländer in Indien zu sein. Vor allem Europäer werden gerne angesprochen um gemeinsame Fotos und Selfies zu schießen. Da ich bis jetzt kaum Ausländer entdeckt habe sind Paul und ich sehr beliebt. So kann es schonmal vorkommen, dass pro Tage mehr als 15 Bilder von einem gemacht werden. Außerdem bieten Europäer Indern die Möglichkeit deutlich mehr als üblich einzunehmen, sodass man sich manchmal ein bisschen verarscht vorkommt, wenn es spezielle Ausländerkassen gibt bei denen man häufig das 10fache des üblichen Preises zahlen muss. Aber ich konnte auch schon positive Erfahrungen in Hinblick auf das Anderssein machen. Als wir in Delhi zusammen mit einer Schwester des Kinderheims das „Light and Sound Program“ einer religiösen Sekte, die mehrere Millionen Anhänger in Indien hat, besuchten, waren wir etwas spät dran sodass wir nur noch in den zweiten abgesperrten Bereich gingen durften. Aber plötzlich forderte einer der Organisatoren die „special guests“, denn wir waren aufgrund unserer Größe und der Hautfarbe wohl deutlich von den mehreren hundert Inder zu unterscheiden, auf ihm zu folgen. Also liefen wir und Schwester Lucy vorbei an vielen Inder, die aufgrund des gewaltigen Andrangs nicht einmal mehr in den zweiten Bereich gelassen wurden, und bekamen Sitzplätze in der aller ersten Reihe mit perfekten Blick auf das Spektakel, dass aus Wasserfontainen, Licht- und Soundeffekte bestand. Obwohl bereits einige andere Zuschauer auf diesen Plätzen saßen, wurden sie von dem Organisator aufgefordert, sich doch in einige Entfernung hinzustellen. Hierbei fühlte ich mich zwar etwas schlecht gegenüber den anderen, die außen warten musste, aber ich war gleichzeitig auch froh endlich einmal Vorteile genießen zu dürfen und nicht ständig Gefahr zu laufen über den Tisch gezogen zu werden.

 

Schwer war es auch sich an den neuen Alltag in Indien zu gewöhnen. Nach dem Aufstehen (manchmal um 5 Uhr) würde man sich am liebsten eine ausgiebige Dusche gönnen, doch Fehlanzeige. Stattdessen muss man sich nach einer durchschwitzten Nacht, in der es in Delhi trotz Klimaanlage und 2 Ventilatoren immer noch 32 Grad Zimmertemperatur hatte, mit einem oder zwei Eimern Wasser begnügen. In Hazaribag und Bokaro gab/gibt es wenigstens eine Dusche mit kaltem Wasser, unter die aber nur kleine Inder passen. Außerdem ist es gewöhnungsbedürftig jeden Tag zwei manchmal auch 3 mal Reis zu essen und morgens zum Frühstück Chicken Curry zu sich zunehmen. Gleiches gilt für die superwichtigen Teezeiten, in denen entweder Taj Mahal Tee oder Schwarztee serviert werden. Zusätzlich werden verschiedene indische Köstlichkeiten serviert, die nicht jedermanns Sache sind (z.B. „mixture“ ).

 

Außerdem konnte ich feststellen, dass es hier sehr viele verschiedene Berufe gibt, die es in dieser Form niemals in Deutschland geben würde. Hier nur eine wenige genannt. Dazu zählt zum Beispiel der Beruf des „Kassenautomaten“ auf dem Parkplatz, bei dem man seine Parkgebühr bezahlt. Hinterher fährt man zur Schrank und übergibt dem „Schrankenwärter“ sein Ticket. Dieser überprüft das Ticket und gibt dem „Schrankenöffner“ das Zeichen die Schranke per Muskelkraft zu öffnen. Für Inder mag das Ganze vielleicht normal sein, doch wir als Europäer sind häufig erstaunt einen Menschen statt einer Maschine oder einem Automaten zu begegnen.

 

Mittlerweile haben Paul und ich auch schon vier spannende englische Gottesdienste hinter uns gebracht, wofür wir um 5 Uhr morgens aufstehen mussten. Vor allem in Delhi waren wir erstaunt um Kirchenbilder blickende, farbige Lichterketten zu finden.

 

Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich bis jetzt noch sehr wohl in Indien und bei den Holly-Cross-Sisters fühle. Die 5 Schwestern in Delhi haben auch dafür gesorgt, dass wir in den 3 Tagen niemals das Gefühl von Hunger verspürten. Im Gegenteil, denn man wurde fast regelrecht zum Essen genötigt und andauernd aufgefordert sich nochmals beim Essen zu bedienen. Zu unserem eigentlichen Ziel Hazaribag kann ich nicht viel sagen, da wir aufgrund von Protesten und Demonstrationen in der Schule und in der Nachbarschaft am nächsten Tag sofort in das drei Stunden entfernte Bakaro geschickt wurden.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich die Zeit in Indien und die vielen Eindrücke sehr genieße und ich hier und da immer mal wieder schmunzele, wenn ich etwas im Vergleich zu Deutschland Unvorstellbares entdecke.

Ich werde mich bei euch wieder die nächsten Tage melden, je nach dem ob es Strom gibt und was spannendes passiert ist.

 

Liebe Grüße;

 

Philipp und Paul

 

 

PS: In der Rubrik "Galerie" könnt ihr euch ein paar Bilder aus Delhi ansehen !!

 

 

 

 

 

 

 

12.10.15

Hallo,

heute melde ich mich zum zweiten Mal aus einem der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Zwischenzeitlich bin jetzt schon fast zwei Wochen in Indien. Aktuell sind Paul und ich in Bokaro Steel City in einem Nebengebäude einer der dortigen Schule untergebracht.Wie der Name der Stadt schon sagt, handelt es sich hierbei um einen Ort an dem Stahl verarbeitet wird und zusätzlich alles was auf der Straße zu finden ist verbrannt wird. Deshalb liegt meistens eine große Wolke über der Stadt und an einigen Tagen lässt sich manchmal nicht einmal mehr die genaue Lage der Sonne bestimmen, weil einfach der ganze Himmel leuchtet. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an die unreine Luft und die dauernd verstaubten T-Shirts und Hosen.

Das riesige Schulgelände besteht aus 2 größeren Gebäuden. Einer Vorschule, zum Teil vergleichbar mit unserem Kindergarten, wo die Kinder aber auch schon in Klassenräumen untergebracht sind und die ersten englischen Worte lernen. Das größte Gebäude befindet sich direkt am Polizeiüberwachten und kontrollierte Eingangsbereich. In diesem 3 stöckigen Gebäude ist die Grundschule und die weiterführende Schule bis zur 12. Klasse untergebracht. Täglich besuchen etwa 2000 Schüler und Schülerinnen die Holy Cross School. Jeden morgen versammeln sich die Schüler um ein gemeinsames Assemble abzuhalten. Dabei stellen sich die Schüler nach Geschlechtern und Klassen geordnet in kerzengeraden Reihen auf. Anschließend werden verschiedene Übungen exakt synkron ausgeführt. Hinterher sprechen alle ein Gebet und schließen dazu ihre Augen. Dabei achten verschiedene Lehrer genau darauf ob die Hände auf der richtigen Höhe gefalten sind und ob wirklich alle ihre Augen geschlossen haben. Danach gibt es eine Ansprache der Schulleiter und einige Lehrer verlesen einige Zitate und Teile von Reden. Abschließend singen, beziehunsweise brüllen alle noch die indische Nationalhymne. Die ganze Prozedur dauert in der Regel eine halbe Stunde, bei der sich kein Schüler auch nur einen Milimeter von der Stelle bewegt oder sein Kopf dreht. Insgesamt wirkt das Ganze, wenn man es als Außenstehender betrachtet anfangs sehr befremdlich, gleichzeitig aber extrem faszinierend, da niemand, selbst die 4 jährigen nicht aus der Reihe treten. Die andächtigen Sprechchöre und auch die Nationalhymne, von der ganzen Schule gesungen, erzeugt immer noch Gänsehaut.

 

Wir beide sind hier in Bokaro direkt neben der Schule in einem Gebäude in Nähe des Eingangs untergebracht, da im Konvent der Schwestern, der sich etwa 200m entfernt ebenfalls auf dem Schulgelände befindet, kein Platz mehr für uns ist. So müssen wir mehrmals am Tag zwischen den beiden Gebäude hin und her pendeln, was besonders in der Nacht nicht ganz ungefährlich ist, weil es in der Region giftige Schlangen gibt. Deshalb sind ab 17 Uhr, da ist es nämlich schon dunkel auf Taschenlampen angewiesen. Der Raum, den wir jetzt bewohnen, war früher noch ein altes Klassenzimmer ohne richtigen Boden. Trotz unserer sehr kurzfristigen Anreise (die Schwestern wurden genau ein Tag vor unserer Anreise informiert) haben wir hier einen sehr schönen Raum hergerichtet bekommen. Jeder verfügt über ein eigenes Bad mit Waschbecken, Klo und einer Dusche. Wobei Dusche nicht gleich Dusche ist. Hier gibt es nämlich keine Duschwanne oder ähnliches und kein warmes Wasser. Im Prinzip ist deshalb das ganze Bad die Dusche. Das verbrauchte Wasser fließt dann über ein Loch in der Wand ab. In unserem Zimmer haben wir insgesamt 4 Steckdosen, wovon aber nur 2 genutzt werden können, und das auch nur wenn man dafür laute Knistergeräusche vom Stromfluss in Kauf nimmt oder Glück hat und es genau in diesem Moment überhaupt Elektrizität gibt.

 

Wie ich schon beim Schüleraustausch 2013 in Australien feststellen konnte, ist es auch in Indien für die Schüler sehr wichtig immer der Beste zu sein. Wenn man durch das Schulhaus läuft sieht man immer wieder Bilderrahmen die das Foto unterschiedlicher Schüler zeigt, die nach Fächer oder nach Geschlecht die besten Leistungen in den letzten Jahren erbracht haben. Gleich im Eingangsbereich hängen zusätzlich Tafeln mit Namen und Bilder der Topabsolventen seit dem Bestehen der Schule. Zusätzlich motiviert werden sollen die Schüler durch überall in der Schule aufgeschriebene Zitate von berühmten Persönlichkeiten. Letztes Wochenende fand hier an der Schule der 23rd National Science Congress statt, wobei es hauptsächlich um die Themen Umweltschutz und Klimaerwärmung geht. Dazu waren alle Schulen aus Bokaro eingeladen. Am ersten Tag konnte sich die Teilnehmer Vorträge von namhaften indischen Forscher und Unternehmer anhören. Zu einigen der Reden sind auch Paul und ich gegangen, aber dazu später noch mehr. Am zweiten Tag konnten dann Schüler ihre entwickelten Projekte, Ideen und Visionen einer Jury vorstellen, die die besten Projekte auszeichnete. Auch hier zeigte sich wieder der Leistungsgedanke. Während die Sieger vor Glück beinahe in Ohnmacht gefallen sind und geschrien haben, waren die Verlierer total am Boden zerstört.

 

Jetzt aber mal zur eigentlichen Attraktion des Science Congress kommend. Das waren nämlich Paul und ich. Sobald wir unser Hauptquartier, wie wir unseren Raum nennen, verlassen haben wurden wir sofort von unzähligen Schülern umlagert. Und so konnten wir uns vor Foto- und Autogrammanfragen kaum retten und mussten des öfteren den geordneten Rückzug ins Hauptquartier antreten. Sobald wir dann wenig später wieder bei einem der Vorträge erschienen sind, ging das Bombardement von Fotos und Fragen von vorne los. Diese Fragen beschränkten sich im großen und ganzen immer auf die gleichen Themen: Kulturunterschiede und Unterschiede in der Schule. Aber die häufigen Fragen gab es rund um Adolf Hitler, den viele Inder als einen großartigen Herrscher bezeichnen, vorauf wir einige Sachen klarstellen mussten. Selbst nach dem Ende des eigentlichen Kongress kamen immer wieder Lehrerinnen und Lehrer auf uns zu, um doch bitte ein Klassenfoto mit uns zwei „superheros“, wie uns eine der Schwestern bezeichnet, zu schießen .

 

Viel mehr ist aber bis heute auch noch nicht passiert, weil wir Donnerstag und Freitag bis jetzt erfolglos versucht haben, eine Aufenthaltsgenehmigung für Bokaro zu bekommen. Den genauen Sinn dahinter haben wir bis heute nicht verstanden, weil wir ja eigentlich ein Visa für Indien haben.

Also haben wir in den Tagen insgesamt viermal das örtliche Polizeirevier mit integrierter Ausländerbehörde besucht, wo uns jedes mal freundlich ein Stuhl zum Sitzen angeboten wurden. Das mag jetzt vielleicht nicht schlecht klingen, aber wir beide waren bei 30 Grad Raumtemperatur von sich in Hindi anschreiende Beamten und Personen, die uns helfen wollten, umgeben. Nach jeweils einer halben Stunde hitziger Diskussion, haben wir das sehr heruntergekommende Gebäude wieder verlassen und wurden von eine der Schwestern, bei der man selbst in Englisch fast nichts versteht auf das Laufende gebracht. Aktuell haben wir immer noch keine Genehmigung, aber scheinbar kümmert sich jetzt wer von außerhalb darum, endlich die richtige Formvorlage zu bekommen. Selbst im bürokratischen Deutschland wäre das vermutlich noch schneller erledigt gewesen. Deshalb wundert euch nicht wenn es keine neuen Fotos gibt, ich hab nämlich seitdem einfach nichts mehr gesehen!!

 

Warum ich jetzt schon wieder so einen langen Text geschrieben habe, lässt sich recht leicht beantworten: Wir haben einfach massig Zeit und ich habe keine Lust immer nur die ganze Zeit zu lesen. Aber morgen soll sich daran was ändern, sodass wir endlich ein paar sinnvolle Sachen machen können, dass der Tag schneller vorbei geht. In der nächsten Woche sind dann Schulferien und viele Schwestern fahren nach Hause zu ihren Familien, aber wir haben schon Einladungen zu Lehrern, ins Krankenhaus und von zwei Schülerinnen bekommen, die mit uns unbedingt auf ein indisches Fest gehen wollen. Mal schauen was wir da machen :D

 

Also: Danke, dass ihr Zeit gefunden habt mein Block zu lesen. Ich melde mich die nächsten Tage wieder, wenn die „superheros“ nicht gerade von Scharren von Menschen belagert werden, die glauben, dass Deutschland in Südamerika liegt und Adolf Hitlers Geburtstag ein nationaler Feiertag ist.

 

Liebe Grüße und alles Gute zum Geburtstag Mama !!!

 

Philipp

 

 

 

 

Hallo,                                                                                                                           18.10.15

 

mittlerweile ist etwas Routine in mein Leben in Indien gekehrt. So ärgere ich mich nicht mehr so extrem, wenn aufgrund von Stromausfall plötzlich der Laptop den Geist aufgibt, weil der Akku nicht mehr funktioniert. Dies wird höchstwahrscheinlich auch bei dem Blogeintrag der Fall sein, weshalb man möglichst nach jedem Satz die Speichertaste drücken sollte. Gewöhnt habe ich mich zwischenzeitlich auch an den indischen Tagesrhythmus. Hier in Indien stehe ich zwischen halb 6 und halb 7 auf, je nachdem ob man gerade eine Ausrede parat hat, um sich vor der morgendlichen Kirche zu drücken. Zu den Favoriten gehört: „das ist komplett unnötig, Hindi verstehen wir sowieso nicht“. Diese Ausrede kann aber höchstens einmal die Woche verwendet werden, da der Gottesdienst eigentlich sonst immer auf Englisch ist. Aber seien wir mal ehrlich, um 6 Uhr morgens macht es keinen Unterschied ob auf Englisch oder Hindi, denn man muss alle Energie aufwenden um nicht nochmal einzuschlafen und konzentriert sich nicht aufs Zuhören. Hinterher beginnt das Frühstück, wo wie vor jeder Mahlzeit dann noch einmal gebetet wird. Zum Frühstück gibt es anschließend Cafe und meistens so eine Art weissen Minipfannkuchen, der mit Curry und Bohnen gegessen wird. Aber selbst nach dem Gottesdienst und dem Frühstück ist man noch nicht richtig wach, weil man ab 4 Uhr nachts von hinduistischen Gebeten aus Lautsprechern in der Stadt vollgedröhnt wird. Trotzdem muss irgendwann der Tag beginnen, deshalb haben wir in letzter Zeit immer den Sportunterricht an der Schule unterstützt. Ist man aber nicht Punkt 10 Uhr wieder bei den Schwestern zur „Tea-Time“ wird entweder nach einem gesucht, man wird gezwungen jetzt doch bitte einen Tee zu trinken oder man muss sich hinterher rechtfertigen warum man heute keinen 10 Uhr-Tee getrunken hat. Beim Mittagessen läuft das Ganze dann etwas weniger planmäßig ab. Zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr kann man einfach kommen und essen. Hinterher findet man Paul und mich dann entweder im Wlan, also im Büro der Schwestern, oder in unserem Zimmer am Schlafen. Aber spätestens beim 16 Uhr-Tee sollten man sich dann wieder im Essensbereich blicken lassen. Abendessen gibt es nach dem Abendgebet, von dem wir uns aber bis jetzt noch erfolgreich drücken konnten, um 19.15 Uhr. Anschließend wird dann noch geholfen das Geschirr abzutrocknen, damit es nicht heißt: „die helfen ja nie“. Dann sieht man uns den ganzen Abend nicht mehr, weil wir das Internet im Büro belagern, um Musik zuhören, neue E-Books zu downloaden, zu skypen oder Bundesliga zu schauen. Um spätestens halb 10 ziehen wir uns dann in unser Hauptquartier zurück. Diese 100 Meter zwischen dem Konvent der Schwestern und unserem Zimmer sorgen dann noch einmal für den letzten Adrenalinkick vor dem Schlafgehen, weil wir mit unseren Taschenlampen ständig Ausschau nach irgendwelchen Schlangen halten. Begegnet sind uns bis jetzt aber nur unzählige kleine und große Frösche und Eidechsen, die aber auch tagsüber anzutreffen sind. Spätestens um 22 Uhr wird dann aber geschlafen, in der Hoffnung vielleicht nicht gleich um 4 Uhr von Gebeten und Gesängen geweckt zu werden. Das ist so im allgemeinem der Ablauf, der sich jeden Tag wiederholt.

 

Zwischenzeitlich machen sich aber schon die ersten körperlichen Anzeichen bemerkt, die einem zeigen, dass man als Deutscher hier in Indien auf Dauer nichts zu suchen hat. Dazu gehört zum Beispiel das Essen: Reis, gelbe Currysoße (mega scharf), grüne Bohnen und irgendein Gemüse, 2 mal täglich, 7 Tage die Woche. Wenn man Glück hat gibt es manchmal auch noch ein paar Kartoffeln oder eine sehr indischgeprägte Pizza aus scharfen Curry und Zwiebeln. Nach 2,5 Wochen rebelliert mein Magen zur Zeit etwas und manchmal hat man das Gefühl, dass die Zähne locker sind, weil man nichts zum Kauen hat und den Reis einfach nur so herunter schluckt. Auch das Wetter, macht unser tägliches Sportprogramm nicht einfacher. Wer uns kennt, weiß, dass wir beiden nicht gerade die Unsportlichsten sind, aber nach spätestens einer halben Stunde, stehe zumindest ich meist kurz vor dem Zusammenbruch.

 

 

Jetzt wollt ihr ja bestimmt noch wissen, was wir speziell die letzten Tage gemacht haben. Aufgrund eines von der Schulleiterin erteilten Autogrammverbot kommen immer weniger Schüler zu uns und fragen nach der beliebten „Signature“. Aber immer noch viele versuchen trotzdem eine Unterschrift der zwei „superheros“ zu ergattern. Auch wenn die Autogrammanfragen weniger wurden, dauert es immer noch sehr lange bis wir unseren Zielort in der Schule erreicht haben, weil jeder meint uns persönlich mit einem „Guten Morgen, Sir“ begrüßen zu müssen. In der letzten Woche haben wir in der Grundschule mehrere Unterrichtsstunden in Mathe und Naturwissenschaft besucht.

Jetzt haben die lernfreudigen Inder (selbst Grundschüler lernen in Freistunden !!!) Schulferien. Um sich aber trotzdem weiter Wissen anzueignen und um uns zu beschäftigen wird in den Ferien eine spezielles Zusatzprogramm mit „Mr. Paul und Mr. Philipps“ (wie die Elektronikmarke) angeboten. (Mittlerweile habe ich es schon aufgegeben, die Inder bei meinem Vornamen zu verbessern) Seit Samstag betreuen wir jetzt die zukünftige Elite Indiens und versuchen die doch zum Teil sehr „indische“ englische Aussprache zu verbessern und beantworten Fragen rund um Deutschland. Einige Fragen waren am Samstag zum Teil sehr eigenartig: „Wie lange dauert die deutsche Nationalhymne ?“ und als wir dann gefragt haben wie lange die indische Hymne geht. Wusste fast jeder Schüler die Antwort: 53 Sekunden!. Komisch die Inder!!!

 

Über den genauen Inhalt unseres Programm schreibe ich Ende nächster Woche noch einmal einen Bericht.

 

In der Zwischenzeit sind auch noch ein paar Fragen aufgetaucht, die ich aber mit meinem jetzigen Wissen über Indien nicht beantworten kann. Zum Beispiel

 

1.Wieso machen Inder in Schuluniform ( Hemd, lange Hose und Anzugschuhe) bei 30 Grad Sport und setzen sich dann hinterher wieder total verschwitzt in den Unterricht ?

2.Wieso kommen Inder 45min vor Schulbeginn zur Schule und bleiben hinterher noch länger ?

3.Wieso denken Inder, als Deutscher könnte man Hindi ?

4.Wieso schütteln in Inder immer mit dem Kopf, sodass man ja oder nein interpretieren kann ?

 

 

Vielleicht finde ich in den mir noch 16 verbleibenden Wochen eine Antwort darauf. Wie oben prophezeit, hat sich mein Laptop beim Schreiben dieses Textes 2 Mal verabschiedet. Falls ihr auf Bilder wartet, kann ich nur sagen, dass wir bis jetzt noch nicht das große Schulgelände verlassen haben und deshalb auch noch keine neuen Motive vor die Linse gekriegt haben .

 

Vielen Dank fürs Lesen,

 

Philipp(s)

 

 

 

 

 

 

 

Hallo,                                                                                                              31.10.15

 

die ersten 65 Portionen Reis, 30 Unterrichtsstunden, 14 Gottesdienste und 6 Bücher sind erfolgreich überstanden. Also ist es Zeit sich mal wieder bei euch zu melden.

Wie bereits im vorherigen Blogeintrag erwähnt, haben Paul und ich letzte Woche Schüler der Klassen 4,5 und 6 unterrichtet. Trotz Ferien sind am ersten Tag um die 140 Schüler zu unserer ersten „Spoken English“-Stunde erschienen und haben Platz auf dem Boden eines etwas größeren Klassenzimmers genommen. Zum Erstauen einiger Lehrkräfte haben wir jeden Tag mehrere PowerPoint-Präsentationen vorbereitet, deshalb mussten täglich Beamer/Laptop und Lautsprecher auf- und wiederabgebaut werden. Die ersten wissenshungrigen Schüler haben sich schon 40min vor dem Unterrichtsbeginn und konnten so jeden Tag unsere Aufbaukünste und technische Fähigkeiten im Umgang mit Laptop und Beamer bewundern. Da unsere erste Stunde, letzten Samstag, sehr gut besucht wurde, entschieden wir uns 2 Gruppen zu bilden. (Gruppe 1: 4.Klasse + Teile von der 5.Klasse/ Gruppe 2: Rest der 5. Klasse + 6. Klasse) Nachdem wir schließlich nach dem Aufbau noch die restlichen Minuten bis 9.30 Uhr auf zwei Plastikstühlen verbracht haben und immer mal wieder Schüler hinein gewunken haben, die nicht ganz so motiviert waren, wie ihre Kameraden und nur 5min vor Beginn erschienen, haben wir pünktlich um halb 10 (aber keine Minute oder Sekunde früher) mit unserem Programm begonnen. Zu Beginn jeder Stunde haben wir zusammen die ersten Minute Sprünge auf einem Bein und Hampelmänner gemacht, so dass auch Paul und ich endlich wach wurden. Nach 3 Versuchen haben wir es schließlich auch aufgegeben zu erklären, dass ein Kreis „EIN KREIS“ gedeutet und nicht dass jeweils Mädchen und Jungs ihren eigenen Kreis bilden.

Im ersten Teil der Stunde haben wir in ersten Hälfte immer ein spezielles Thema vorgestellt (z.B. Diskussion/ Rede) und Tipps und Vorschläge dazu gegeben. Hinterher haben die Schüler sich dann selbstständig mit dem Thema befasst und Reden und Diskussionen über die Schule oder Hausaufgaben vorbereitet und vorgestellt. Obwohl wir weit aus mehr Fragestellungen zum Beispiel über Sport, Umwelt oder Fast Food vorgegeben hatten, entschieden sich jedes Mal etwa 80 % für Themen, die sich mit Hausaufgaben und der Schule befassen. Mit dem Ergebnis: „Hausaufgaben sind total wichtig und man sollte sich auf keinen Fall abschaffen !!!“ ( Über die Aussage lässt sich zwar streiten, aber Hauptsache es wurde Englisch geredet )

Nachdem ersten Teil haben wir dann eine Pause von 15min gemacht, wo die Schüler vespern konnten und wir Tee getrunken haben. Im zweiten Teil der Stunde haben wir dann immer Spiele (z.B. Taboo, Wortkettenspiel) gespielt oder lautes Vorlesen von einem schwierigen Text geübt. Als Letztes haben Paul und ich den Schülern mit Präsentationen über Deutschland und Europa, was vom Leben außerhalb von Indien erzählt. Am Ende haben die Schüler je nach dem ob dann noch Zeit war einen Text über unseren Vortrag geschrieben. Um 12.00 Uhr war unsere „Spoken-English“-Stunde zu Ende und nach dem Mittagessen wurde erst einmal ein Mittagsschlaf gemacht. Hinterher haben wir uns so weit es ging mit Internet, Lesen, Sudoku und Musik hören die Zeit vertrieben, bis es Abendessen und etwas Abwechslung gab. Danach wurde das ein oder andere Mal geskypt, Bundesliga geschaut oder gelesen, ehe wir zwischen 21 und 22 Uhr ins Bett sind.

Das so weit zu dem Unterricht in den Ferien.

 

Seit dieser Woche ist aber wieder normaler Unterricht an den Schulen. Paul und ich haben von der Schulleiterin die Bücherei-Stunden zum Unterrichten bekommen, wo die Schüler sonst in der Bibliothek lernen würden. Seit einer Woche hören und beantworten wir jetzt immer die gleichen Fragen, egal ob 6. oder 10. Klasse. Hier ein paar Beispiele:

Was ist euer Lieblingsessen?

Was ist die nationale Blume Deutschlands? (keine Ahnung!!)

Was sind eure Hobbys?

 

Nachdem wir dann mehr oder weniger immer die selben Fragen beantwortet haben, haben wir den Schülern in der ersten Woche die ersten Wörter und Sätze auf Deutsch beigebracht.

Zum Glück hat aber die Schulleiterin auch unsere sportlichen Fähigkeiten erkannt, die bei den meisten Indern nicht vorhanden sind, und hat uns jeden Tag eine Sportklasse zu geteilt. Besonders gerne spielen wir mit dem Schulbasketballteam. Zu Trainingszwecken waren dann immer Paul, ich, zwei Lehrer und weitere Schüler in einer Mannschaft, die dann das Basketballteam herausgefordert hat. Obwohl die Lehrer wirklich gar kein Basketball spielen können, haben wir uns meistens ganz gut geschlagen.

 

Zwischenzeitlich haben wir auch mal wieder das Schulgelände verlassen und haben die Schwestern, die in Ferien waren ,beim Bahnhof abgeholt oder sind mit zu einem indischen Zahnarzt gekommen. Sobald mehrere Schwestern zusammen das Gelände verlassen, wird erst einmal im Auto gebetet, was auch vorallem bei Nacht wirklich notwendig ist, weil es keine Straßenlaternen, ausreichend breite Straßen und manchmal keinen Straßenbelag gibt und man manchmal nur Staub und Schmutz sieht.

 

 

Sonst ist hier nicht wirklich viel passiert, deshalb kommt mein vierter Blogeintrag auch mit viel zeitlichem Abstand. Am 11. November werden wir für 10 Tage mit dem Zug ins Himalaya, nach Sikkim fahren. Ich hoffe es wird so, wie es die Bilder und Berichte im Internet versprechen. Ich versuche heute auch noch ein paar Bilder hochzuladen, die wir mit dem Handy gemacht haben.

 

 

Gruß aus Indien,

 

Philipp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo,                                                                 02.12.15

 

nachdem ihr lange nichts mehr gehört, melde ich mich mal wieder aus Indien. In der Zwischenzeit haben wir viele neue Sachen gesehen. So haben wir zum Beispiel das Stahlwerk und einen Zoo in Bokaro besucht. Unser größter Ausflug war aber nach Sikkim und Darjeeling im Nordosten von Indien. Mit dieser Reise wird sich der heutige Blog befassen.

Los ging es am 11.11.15 in Bokaro. Die Schwestern haben uns zusammen mit einem Fahrer zum Bahnhof begleitet, wo unser Zug um 22.50 Uhr abfuhr. Wir haben die Klasse „AC Three“ gebucht, wo jeder ein eigenes Bett im Zug hat. Nach dem wir unsere Liegen im dunklen Zug gefunden und unser Gepäck verstaut haben, setzte sich der Kamakya Express in Bewegung. Vor uns lagen nun 14 Stunden Fahrt durch Indien. Nachdem wir uns mit den Gegebenheiten an Board des Zuges vertraut gemacht haben, haben wir versucht zu schlafen, was aber gar nicht so einfach war. Gründe dafür waren unsere „enorme“ Körpergröße und die Dimensionen unseres Gepäcks, das auch auf unserer Schlafliege verstaut werden musste. In einem Bereich, der in etwa das Ausmaß eines Vierersitzes im Zug hat, wurden 2x3 Betten übereinander gestapelt. Ich hatte die oberste Liege, die man nur mit ausreichenden Kletterkünsten erreichen konnte. Paul schlief unter mir. Nachdem jeder von uns sein vorbereitetes Filmmaterial aus der ZDF-Mediathek verschlungen hatten, konnten wir beide schließlich für einige Stunden schlafen. Am Morgen haben wir unsere Vesperbrote, die zu genügend vorhanden waren, verdrückt. Vor uns waren aber zu dem Zeitpunkt noch mehr als 5 Stunden Zugfahrt, die wir aber auch noch irgendwie herum gebracht haben. Als wir um 13.50 Uhr den Bahnhof in New Jailpalguri betraten, witterten alle Einheimischen das Große Geschäft und wollten uns zu unserem Aufenthaltsort Gangtok bringen. Wir entschieden uns schlussendlich für einen „shared jeep“, um mit 9 Beifahren nach Gangtok zu kommen. Wir beide und noch ein anderer Mann saßen bei der 4stündigen Autofahrt für nicht einmal 4 Euro pro Person im Kofferraum. Unseres Gepäck wurde mit Seilen am Dach des Jeeps befestigt. Nachdem wir nach einer sehr anstrengenden Fahrt über die Gebirgsstraßen Gangtok erreicht haben, sind wir nach dem Essen sofort schlafen gegangen. Nach einer eisig kalten Nacht sind Paul und ich am Morgen bei 6 Grad Zimmertemperatur aufgewacht und ich habe mir erst einmal eine mindestens genau so kalte Dusche gegönnt. Hinterher haben wir nach 12 Stunden erholsamen Schlaf eine kleine Sightseeing-Tour durch Gangtok unternommen und haben uns 2 Wasserfälle, Aussichtsplattformen und einen buddhistischen Tempel angeschaut. Nachmittags sind wir anschließend noch durch das sehr moderne Stadtzentrum gelaufen. Am nächsten Tag stand das Highlight unserer Reise an. Wir haben einen Ausflug zu einem See auf 3700m unternommen. Leider spielte das Wetter nicht so wirklich mit und anstatt um den See zu laufen entschied sich unser Führer eine kleine Wanderung auf einen Berggipfel in der Nähe zu unternehmen. Nach einem anstrengenden Aufstieg haben wir es schließlich auf eine Höhe von 4200m geschafft. (Bilder von diesem Ausflug könnt ihr euch in der Galerie anschauen) Anschließend sind wir wieder 2 Stunden lang zurück nach Gangtok gefahren, wo wir die restliche Zeit noch etwas entspannt haben. Der nächste Tag gingen wir etwas lockerer an. Nach längerem Schlafen, sind wir am Vormittag in Richtung eines Kinos aufgebrochen, weil es den ganzen Tag geregnet hatte. Doch dieser Weg war völlig um sonst, da zur Zeit nur Bollywood-Filme auf Hindi gezeigt wurden. Also sind wir wieder zurück ins Convent, wo wir uns mit Internet und lesen, die Zeit vertrieben haben. Am Nachmittag sind wir noch einmal in das Stadtzentrum zurückgekehrt, dass etwa nur 5 Wegminuten von unserer Unterkunft entfernt lag. Dort haben wir ein schönes Cafe gefunden und haben einen Kaffee getrunken und eine Schwarzwälderkirschtorte gegessen. Am nächsten Tag haben Paul und ich Besuch von Herr Scheiwe's Reisegruppe bekommen, die in einem Convent ganz in der Nähe untergekommen war. Nach einer gemeinsamen Tour durch die Stadt, gab es noch ein gemeinsames Essen, bei dem wir beschlossen hatten am nächsten Morgen die Gruppe zu begleiten. Also packten wir am nächsten Morgen unser Gepäck und nahmen ein Taxi nach Tadong, wo wir schon erwartet wurden. Die 10-köpfige Reisegruppe hatte sich einen Bus gemietet und so konnten wir sie ohne größere Probleme auf dem Weg nach Kurseong begleiten. Diese Fahrt dauerte mit einer kleinen Mittagspause den gesamten Tag, so dass wir das Covent erst in der Dunkelheit erreichten. Am nächsten Morgen sind dann alle zusammen mit der historischen Schmalspurbahn von Kurseong nach Darjeeling gefahren. In Darjeeling haben wir uns anschließend die Stadt angeschaut und haben hinterher in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Um 16.00 Uhr ging der Zug wieder zurück nach Kurseong, wo wir nach 3 Stunden Fahrt angekommen sind. Am folgenden Morgen haben Paul und ich unseren Rucksack gepackt und sind nach einem Spaziergang in einem benachbarten Teegarten weiter nach Siliguri gereist, wo wir eine Nacht im Convent verbrachten. Dafür haben wir uns einfach an die Straße gestellt und wirklich keine 10 Sekunden später hat ein Jeep angehalten der uns für insgesamt 160 Rupien (=2,30Euro) nach Siliguri mit nehmen wollte. Also nahmen wir Platz im Kofferraum, während unser Gepäck auf dem Dach verstaut wurde. Die Fahrt war anfangs weniger spektakulär, da die Straßen auf diesem Abschnitt sehr gut ausgebaut waren. Doch plötzlich bremste das Auto schlagartig und kippte leicht zur Seite. Zuerst dachten wir der Vorderreifen wäre geplatzt, doch nach dem wir ausstiegen waren, konnten wir erkennen, dass sich der gesamte Reifen gelöst hatte. Also suchten wir mit den anderen Insassen nach dem Rad, das irgendwo seitlich die Böschung runter gerollt war. Nach 20minütiger Suche fand unser Fahrer das Rad, welches etwa 300 Meter weiter unten in der Nähe eines Reisfeldes lag. Hinterher begann die sehr eigenartige Wiederbefestigung des Rades, bei dem wir aber nur zusahen, wie mit Steinen das Auto unterlegt wurde und anschließend Radmuttern von noch intakten Rädern zur Sicherung des alten Rades abmontiert wurden. Nach einer einstündigen Zwangspause ging die Fahrt dann zum Glück reibungslos weiter bis wir gegen 15.00Uhr im Convent in Siliguri ankamen. Dort verbrachten wir eine Nacht und am darauffolgenden Morgen wurden wir um 4.30 Uhr von einem Tuk-Tuk zum Bahnhof gebracht, wo unser Zug um 5.15 Uhr Richtung Bokaro startete. Warum auch immer dauerte die Rückfahrt insgesamt fast 20 Stunden, bei denen an diversen Bahnhöfen immer mal wieder Kekse und Chips gekauft wurden. Am Ende waren wir aber heilfroh, als Paul und ich um 0.50 Uhr in Bokaro am Bahnhof ankamen. Dort wurden wir von zwei Security-Männer abgeholt, die normalerweise rund um die Uhr das Schulgelände bewachten. Zur Heimfahrt zum Convent haben wir uns zu viert (plus Fahrer und Gepäck) in ein Tuk-Tuk gequetscht und sind durch unbeleuchtete Nebenstrassen in Richtung Schule gefahren. Dort angekommen haben wir noch geduscht und sind hinterher aber sofort schlafen gegangen.

 

Sonst ist eigentlich wenig außergewöhnliches passiert. Und wir verbringen immer noch viel Zeit mit Lesen und im Internet. Geplant ist jetzt noch bis zum 21.12 hier in Bokaro zu bleiben und hinterher weiter nach Hazaribagh zu reisen, von wo aus wir anschließend unsere Tour durch in Indien starten. Ich hoffe ihr genießt die Vorweihnachtszeit daheim, denn bei uns kommt bei 30 Grad und Sonnenschein keine richtige Weihnachtsstimmung auf.

 

 

Liebe Grüße,

 

Philipp

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo und frohe Weihnachten euch allen,                                       26.12.15

 

 

 

mittlerweile sind wir mehr als 12 Wochen in Indien. Ab Sonntag, den 27.12.15 gegeben wir uns auf eine Reise quer durch Indien, ehe wir am 06.02.16 in Frankfurt landen werden.

 

Seit dem letzten Blogeintrag ist wieder einmal viel passiert. Davon werde ich euch 2 Ereignisse kurz erzählen. Für mehr ist leider keine Zeit mehr, weil heute schon der 26.12 und wir morgen hier, von Bokaro aufbrechen werden.

 

 

 

Letzten Samstag fand das jährliche Jahresabschlusspicknick für Schüler der Klassen 10 und 12 statt. Um 8.30 Uhr haben sich alle 300 Schüler in der Schule eingefunden, und wurden klassenweise auf 6 Busse verteilt. Hinterher wurden in jeden Bus noch Container mit Essen, Trinken und Snacks geladen. Währenddessen haben andere Schüler geholfen eine riesige Musikanlage auf einen LKW zu laden. Anschließend setzten sich die Busse in Bewegung, verloren sich aber schnell aufgrund des Verkehrs. Paul und ich saßen in einem Bus der Klasse 12B, und wer dachte das die Stimmung im Bus bei uns in der Schule gut war, der täuschte sich. Denn die Inder sind wie die gestörten im Bus herum gesprungen, haben getanzt und gesungen. Nach einer einstündigen Fahrt haben wir als letzter Bus die Picknickstelle, irgendwo außerhalb Bokaro erreicht und die herausgeputzen Inder haben überall von sich Fotos gemacht. Natürlich durften auch wir auf den Bilder nicht fehlen. Das Ganze läuft dann so ab: Person 1 macht Gruppenfoto mit uns und vier-fünf anderen. Dann wird der Fotograf nacheinander ausgetauscht, bis jeder mal mit jedem auf dem Gruppenbild war. Anschließend wird entweder das Motiv gewechselt oder es gibt Einzelfotos mit uns. Ach ja und zu guter Letzt muss das ganze natürlich noch mit jeder Kamera einmal wiederholt werden, dass wirklich jeder die Fotos hat.

 

Man kann sich also vorstellen, dass das irgendwann ganz schön nervt. Also sind wir etwas weiter weg von den Menschenmassen gegangen, um uns nach 100 Fotos in den ersten 30 min zu erholen und haben uns an einen kleinen Fluss gesetzt. Auf einmal kamen mehrere Motorräder angefahren die irgendwie den Fluss überqueren wollten. Der erste hatte es geschafft, doch der zweite versenkte sein Motorrad bis zum Lenker im dem Fluss. Wahrscheinlich wollten die uns nur zeigen, was sie drauf haben und wie cool sie sind, was aber missglückt ist. Als wir wieder zum Hauptlager zurückgekehrt sind, war die Musikanlage schon aufgebaut und die Inder haben zur nervigsten indischen Elektromusik getanzt. Auch die Tanzformen waren wirklich sehr seltsam, weil Jungs Jungs angetanzt haben und sie beinahe gegenseitig auf der Tanzfläche ausgezogen haben. Deshalb haben wir schnell Abstand von der Tanzmeute gefunden, und das Gesehen kopfschüttelnd in sicherer Entfernung verfolgt. Hinterher ging es weiter mit dem Mittagessen. Wir wurden von einer 10. Klasse zum Essen eingeladen. Alle haben sich in einem Kreis im Schneidersitz auf den Boden gesetzt und gewartet bis ein paar Mädchen mit ihren Händen irgendwelche Fladen, Soßen und Fleisch auf die Teller gehievt haben. Hinterher haben wir irgendwie versucht das teuflisch scharfe Zeug zu essen. Was aber durch den Schneidersitz, den ich ja nun leider nicht perfekt beherrsche, und das fehlende Essequipment, wie Messer und Gabel, erheblich erschwert wurde. Hinterher wurde etwa noch eine Stunde weitergefeiert, bis wir wieder Richtung Schule aufgebrochen sind. Schon auf dem Rückweg hat mein Magen Verdauungsprobleme gemeldet, so dass ich auf das Abendessen verzichtet habe und bald schlafen gegangen bin. Doch die Nacht konnte ich nur durch 3 Stunden auf der Kloschüssel, Kohletabletten, Immodium und Schmerztabletten überstehen. Erst am Abend des darauffolgenden Tages, habe ich mich wieder an das Essen getraut.

 

 

 

Anfangs des Monats musste ich auch zum Arzt. Grund dafür war ein Basketballspiel, denn trotz des täglichen Basketballtrainings hat mein Daumen eine Ballannahme nicht ganz so gut vertragen. Als ich am Abend den Daumen immer noch nicht bewegen konnte, habe ich mal dezent bei den Schwestern, ob sie noch irgendwelche Medizin im Haus haben. Aber daraufhin wurde alles menschenmögliche unternommen, dass ich sofort zum Arzt kann. Da keine von den Schwestern Auto fährt, wurde extra ein Fahrer von der Schule angerufen, der dann trotz Feierabend noch einmal antreten musste. Anschließend ist der Fahrer mit Paul, einer Schwester und mir Richtung Praxis los gerast. Zum Glück sind wir dort heil angekommen, denn der Fahrer hat einen sehr besonderen Fahrstil. Ist zum Beispiel bei einer Straße ein Loch in der Mittelplanke und es geht gerade nicht mit 80km/h weiter, wird einfach schnell auf die andere Fahrspur gewechselt und bei der nächsten Möglichkeit wieder auf die normale Spur zurückgekehrt. Dabei wird natürlich lautstark gehupt, dass man nicht angefahren wird. Das sind aber nur einige Eigenheiten unseres Rennfahrers. An der Arztpraxis angekommen, konnte ich ohne warten direkt in das Zimmer des Chefs, der mich nach kurzer Begutachtung direkt zum Röntgen geschickt hat. Dort wurde ich wieder ohne warten von einem mittleralterlichen Gerät geröntgt. Anschließend wurde sofort das Bild begutachtet und mir gesagt, dass nichts gebrochen wäre. Danach hat mich der Arzt weiter zur hauseigenen Apotheke geschickt, wo ich 15 Tabletten gekriegt habe, die ich ab sofort für 5 Tage nehmen sollte. Nach meinem schnellsten Arztbesuch in meinem Leben folgte die große Abschlussrechnung. 420 Rupien inklusive Medizin und Röntgenbild zum mit nach Hause nehmen!!!!! (6,10 Euro). Nur ganz beweglich wie vorher ist mein Daumen nicht mehr, aber das kann warten bis Deutschland.

 

 

 

 

 

Das waren nur zwei der vielen Erlebnissen der letzten Tage. Ob ich mich nochmal während der Reise durch Indien (Bodhgaya, Varansi, Agra,....) melden werde ist noch nicht sicher. Es kann also sein, dass das mein letzter Eintrag war. Sicherlich hätten einige von euch viel mehr aus Indien berichtet, aber das Texte schreiben gehört nun mal nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, deshalb habe ich mich insgesamt immer sehr kurz gehalten und auch nicht wöchentlich aus Indien berichtet. Trotzdem danke, an alle die immer fleißig meinen Blog gelesen haben und über die fehlende Kommasetzung und Rechtschreibfehler hinweg blicken konnten. Danke auch an alle, die Nachrichten im Gästebuch hinterlassen haben, worüber ich mich immer sehr gefreut habe. Gefreut habe ich mich auch sehr über die Weihnachtsbotschaften aus Deutschland, Chile und Australien, die Julia für mich zusammen gestellt hat.

 

Abschließend kann ich sagen, dass die Zeit hier bei den Holy Cross Sisters in Bokaro, trotz Strecken von langer Weile, doch sehr interessant war, und ich die Zeit hier sicherlich vermissen werde. Wollt ihr mehr wissen, stehe ich euch später für alle Fragen bereit. Jetzt wird es aber Zeit zu packen, da unser Zug morgen um 8.50Uhr vom Bahnhof Richtung Bodhgaya aufbricht.

 

 

 

Guten Rutsch und stellt das Bier für Fasnacht kalt, denn ab dem 06.02.16 bin ich wieder am Start !!!!

 

 

 

Philipp